CEO Interview

"EIN BEACHTLICHER SPRUNG"

CEO Interview

Das ist bei weitem noch nicht alles, die Aufzählung liesse sich noch weiterführen. Für die Insektenverarbeitung liegen die ersten Aufträge vor, wir sind mit den ersten digitalen Services etwa für die Qualitätsprüfung von Reis an den Markt gegangen, haben im chinesischen Changzhou eine neue Fabrik eröffnet, rüsten unsere Produktion mit Industrie-4.0-Methoden aus und haben unser Grains & Food Geschäft noch marktnäher aufgestellt.

Die Grundlagen dafür sind vor Jahren gelegt worden und jetzt ernten wir die Früchte. Nehmen Sie die Batterien: Hier haben wir zusammen mit unserem Kunden vor über fünf Jahren begonnen, einen vollkommen neuen, kontinuierlichen Prozess für die Herstellung von Batteriepaste zu entwickeln. 2016 ging die Pilotlinie erfolgreich an den Start, 2017 eröffnete Lishen mit unserem Verfahren eine neue Gigafabrik in Suzhou.

CEO talking
Stefan Scheiber, Chief Executive Officer

Wir haben stark an unserer Unternehmenskultur gearbeitet. In vielen Bereichen hat Bühler in den vergangenen Jahrzehnten führende Positionen erreicht. Das führt dann schnell dazu, dass man denkt, mehr geht nicht. Mental ist man dann automatisch in der Defensive und führt Verteidigungskämpfe. Das haben wir definitiv durchbrochen. Natürlich kann man Marktanteile nicht beliebig steigern. Aber es gibt in allen unseren Märkten noch so viel unerschlossenes Potenzial, selbst da, wo wir die Nummer eins sind. Das ist jetzt in unseren Köpfen verankert und wir sind mit Elan dabei, in solche Bereiche vorzustossen. Wir nennen das "Play-to-Win" – für unsere Kunden, die Welt, und letztlich dann auch für uns selbst.

Wir haben uns zum Lösungsanbieter für die nachhaltige Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sowie von Anwendungen für Mobilität und Optik gewandelt. Wir integrieren Wertschöpfungsketten und Prozesse, und zwar mit genau einer Schnittstelle zum Kunden. Damit unterscheiden wir uns von allen anderen Anbietern im Markt.

Nehmen Sie die Verarbeitung von Getreide. Gleich nach dem Mähdrescher kommen wir: mit Silos, Förderanlagen, Be- und Entladern. Dann geht es in die Reinigung der Rohstoffe, in die optische Sortierung zur Gewährleistung von Lebensmittelsicherheit und weiter über die Verarbeitung mit Schleifen und Mahlen bis hin zum Verpacken. Unseren Müllereikunden können wir darüber hinaus Anlagen für die Herstellung von Teig oder Pasta anbieten – und neu mit dem Portfolio von Haas auch für Waffeln, Kekse oder Biskuits. Bei Advanced Materials bestehen die Lösungen etwa aus hoch integrierten Druckgusszellen inklusive der gesamten Peripherie wie zum Beispiel der Robotik. Dazu kommen unsere Services, Trainingsangebote und die Möglichkeit, in unseren Anwendungszentren gemeinsam an Lösungen wie neuen Rezepturen zu arbeiten. Diese Vollständigkeit ist ein Alleinstellungsmerkmal von Bühler. Und mit neuen Technologien, Applikationszentren und dem sich im Bau befindenden Innovationscampus CUBIC erweitern wir dieses gezielt weiter. Wir denken nicht mehr in organisatorischen Geschäftseinheiten, sondern aus Kundensicht in Prozesslösungen, etwa "von Getreide zur Pasta" oder "von Aluminium zum fertigen Strukturteil".

Interview in progress

Mit unseren Lösungen helfen wir den Kunden, maximale Lebensmittelsicherheit zu erreichen, die Qualität und den Nährwert ihrer Produkte zu steigern, den Energieverbrauch zu senken, Abfälle zu vermeiden und die Effizienz zu erhöhen. Unser erklärtes Nachhaltigkeitsziel ist, dass unsere Kunden 30% Energie und Abfälle sparen. Solche Werte schaffen Sie nicht auf Maschinenebene, sondern nur im Gesamtsystem. Sichtbar wird dies bei grossen Projekten, die wir etwa in Bangladesch fertigstellen. Hier tragen wir dazu bei, die Lebensmittelversorgung der ganzen Region grundsätzlich zu verbessern. Nachhaltigkeit ist für uns nicht nur ein Anhängsel, sondern der Ausgangspunkt unseres Handelns, ganz besonders bei der Entwicklung neuer Technologien und Lösungen.

Ganz praktisch: Unsere Kunden müssen nicht mit 20 verschiedenen Parteien sprechen, sondern nur mit einer. Das macht die Entwicklung und die Umsetzung komplexer Projekte wesentlich einfacher. In der weiteren Produktentwicklung können wir gezielt einzelne Elemente synchronisieren und vereinheitlichen, etwa in der Automatisierung. Solche integrierten Lösungen können natürlich nur qualifizierte Mitarbeitende anbieten. Deshalb schulen wir sie in Top-Ausbildungsprogrammen, von denen auch die Kunden profitieren. Zudem bilden wir viele unserer Kunden aus, denn hochwertiges Equipment muss optimal bedient werden können, um die Vorteile voll auszuschöpfen. Das machen wir in unseren weltweiten Anwendungszentren oder den Müllereifachschulen, die wir auf allen Kontinenten betreiben.

CEO deep in conversation

Wir brauchen dringend neue Technologien und Lösungen, um unsere Welt nachhaltiger zu machen. Noch immer landen rund 30% aller Nahrungsmittel im Abfall, wird im Tierfutter zu viel Antibiotika eingesetzt und stossen unsere Verkehrssysteme an ihre Grenzen. Wie können wir solche komplexen Systeme und Wertschöpfungsketten besser verstehen, kontrollieren und steuern? Hier werden uns datenbasierte Anwendungen künftig helfen.

Der Qualitäts-Check, den wir jetzt für Reis lanciert haben, besteht aus einer beleuchteten Kunststoffbox, einer App und einer Cloud-Lösung. Der Reisverarbeiter nimmt eine Probe, legt Sie in die Box, öffnet die App und scannt die Körner mit dem Mobiltelefon. Die App sendet das Bild an unsere Cloud, in der es ausgewertet wird, und nach zwei Minuten erhalten wir ein präzises Ergebnis bereitgestellt. Der Verarbeiter kann damit seine Anlagen optimieren und gegenüber Händlern mit dokumentierten Qualitätsangaben über Preise verhandeln. Gegenüber der heutigen Praxis ist das ein bedeutender Fortschritt. Heute nehmen die Reishersteller einmal am Tag ein Muster, legen es auf ein gerilltes Brett und sortieren die Reiskörner von Hand nach ihrer Qualität, um sich so einen Eindruck zu verschaffen. Das ist umständlich, ungenau, aufwändig und ergibt keine strukturierten Daten.

Burkhard Böndel, Head of Corporate Communications
Burkhard Böndel, Head of Corporate Communications

Indem wir den neuen Geschäftsbereich Digital Technologies gegründet haben, die Entwicklung solcher Services an unserem Standort in London forcieren und massiv in technische Plattformen und Spezialisten investieren. Wir haben ein erstes Expertenteam zum Thema Data Analytics aufgestellt. So treiben wir den digitalen Wandel in unserer Industrie voran.

Wir rücken noch näher zusammen. Das ungeheure Potenzial der Vernetzung liegt ja nicht nur in der Technik, sondern auch in den Menschen mit ihrem spezifischen Wissen, ihrer Erfahrung und ihren Fähigkeiten. Vor einigen Jahren haben wir begonnen, den Innovationsprozess bei Bühler komplett zu öffnen. Mittlerweile ist «Collaborative Innovation» mit Kunden, unseren Mitarbeitenden, wissenschaftlichen Einrichtungen, Start-ups, NGOs und Technologiepartnern bei uns gelebte Praxis. Die Frage, wie sich 2050 neun Milliarden Menschen nachhaltig ernähren und fortbewegen können, kann niemand allein beantworten. Es braucht dafür Plattformen, auf denen wir gemeinsam neue Lösungen entwickeln und umsetzen. Dass Bühler solche Plattformen schafft, nicht zuletzt durch unsere Networking Days, macht uns stolz, ist für uns aber auch eine Verpflichtung. Als relevanter Marktteilnehmer in den Bereichen Ernährung und Mobilität tragen wir Verantwortung, und der wollen wir gerecht werden.